Bildanalyse: »Spaziergang«

Spaziergang
»Die Bildfläche im quadratischen Raster«

EINLEITUNG

Das abstrakte Gemälde „Spaziergang“ von 1990 ist ein Hochformat von 100 × 80 cm. Es wurde auf Leinwand mit Acrylfarben gemalt und mit einfachen schwarzen Holzleisten gerahmt. Das Format hat eine Proportion von 5 : 4, was einen Faktor von 1,25 ergibt. Damit ist es ein breites und stabiles Hochformat mit einer Tendenz zum Quadrat.

Die Palette der Farben umfasst zehn Farbtöne:
• Rot, Orange, Braunrot
• Gelb, Beige, Gold
• Grün
• Hellblau, Dunkelblau, Schwarz

Der Betrachter blickt auf eine geometrische Welt aus reinen Quadraten, Dreiecken, Kreisen und aus zusammengesetzten Flächen.

Die Kompositionslinien

1. Der Goldene Schnitt

Die Kreuzungen der vertikalen mit den horizontalen Linien des Goldenen Schnitts werden Goldene Punkte genannt. Objekte die auf oder nahe bei diesen Punkten platziert werden, ziehen den Blick automatisch an.

Bei diesem Gemälde fällt der rote Kreis mit der schwarzen Kontur nahe dem Schnittpunkt des Goldenen Schnitts sofort ins Auge. Mit der senkrechten schwarzen Linie am oberen Ende des Kreises und dem waagerechten schwarzen Unterstrich ist ein deutlicher Startpunkt für den Bildspaziergang gesetzt.

Auch das Spielfeld eines Flipperautomats wäre eine mögliche Assoziation zum Bild. Das Objekt mit dem roten Kreis wäre dann vielleicht die Startvorrichtung, die die Kugel ins Spiel schießt. Andere Interpretationen sind möglich. Auf einem Spaziergang darf sich jeder seine eigenen Gedanken machen.

2. Die Diagonalen

Nach den ab 2007 veröffentlichten Untersuchungen des Fotografen und Künstlers Edwin Westhoff (geb. 1951) befinden sich die starken Punkte nach der Diagonalmethode genau auf einer der Diagonallinien von 45 Grad aus einer der vier Ecken des Bildes. So lässt sich feststellen, welche Einzelheiten der Künstler in einem Foto oder einem Gemälde besonders betonen wollte.

"Neben der praktischen Bestätigung der Diagonalmethode durch die verschiedenen Analysen liegen vorerst noch keine wissenschaftlichen Untersuchungen vor, die die Diagonalmethode auch theoretisch bestätigen können."

[Quelle: Wikipedia nach Westhoff, E. (2009). De diagonaal-methode. (Die Diagonalmethode.) Zoom.nl Digitale Fotografie & Video, 2009(10), 82-87.]

Für die Analyse unseres Spaziergangs durch das Gemälde ist diese Methode offensichtlich sehr hilfreich: Die starken Punkte sind deutlich zu bestimmen und die zu Grunde liegende Ordnung im Bild wird erkennbar.

3. Das Drittelraster

Die Verwendung des Drittelrasters lässt eine Verbindung des linken Drittels über die mittlere Fläche hinweg mit dem rechten Bereich erkennen. Eine heterogene sandfarbene Fläche (oder – je nach Sichtweise – eine Figur) korrespondiert mit den sandfarbenen Flächen auf der rechten Seite. Zusätzlich ist im oberen linken Drittel links eine senkrechte Reihe von fünf kurzen gelben Strichen zu sehen, die den Blick von dort zu den vier kurzen gelben Strichen im oberen Drittel auf der rechten Seite führen.

Durch die Blickführung der suggerierten Diagonale von unten links nach oben rechts wird die Relation weiter gestärkt. Und knapp oberhalb des unterer Drittels verbinden sich optisch die beiden gelben Quadrate auf der linken Seite mit der roten Positionierung auf der Grenze von mittlerem und rechtem Drittel. Trotz unterschiedlich wirkender visueller Energien entsteht ein Gleichgewicht der Kräfte – eine ausgewogene Komposition.

Text geschrieben und eingestellt im August 2026.

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